Gestern habe ich an dieser Stelle Hetzners neue KI-Inferenz-API vorgestellt. Beim Erstellen des API-Tokens dafür ist mir auf experiments.hetzner.com ein zweiter Menüpunkt aufgefallen, der es in sich hat: Hetzner bietet dort gehostete OpenClaw-Instanzen an. Einen fertig eingerichteten, dauerhaft laufenden KI-Assistenten auf Hetzner-Infrastruktur, drei Größen zur Auswahl, kostenlos für die Dauer des Experiments.
Das Bemerkenswerte daran ist nicht nur das Angebot selbst, sondern die Stille drumherum. Es gibt dazu Stand heute keine Ankündigung, keinen Blogpost von Hetzner, keine Doku und keine Berichterstattung, nicht einmal einen Reddit-Thread. Das Ding steht einfach da. Ich habe eine Instanz gestartet und aufgeschrieben, was ich vorgefunden habe.
Was Hetzner Experiments genau anbietet
Unter experiments.hetzner.com, dem Bereich, in dem Hetzner derzeit Neues ausprobiert, lassen sich OpenClaw-Instanzen in drei Größen erstellen. Die Namen bleiben im Krustentier-Thema des Projekts: Shrimp mit 1,5 vCPUs, 2 GB RAM und 8 GB Speicher, Crab mit 3 vCPUs, 4 GB RAM und 16 GB, und Lobster mit 6 vCPUs, 8 GB RAM und 32 GB Speicher. Darunter steht der entscheidende Satz: “This is an experiment, bugs and data loss may occur, free of charge for the duration of the experiment.”
Zur Einordnung, falls OpenClaw an dir vorbeigegangen ist: Das ist das Open-Source-Assistenten-Framework, das Peter Steinberger Ende 2025 als Wochenendprojekt gestartet hat und das Anfang 2026 eingeschlagen ist wie kaum ein zweites Projekt, inzwischen über 240.000 GitHub-Stars, eine eigene Non-Profit-Foundation und eine Community-Registry mit mehreren tausend Skills. Die Idee: ein Assistent, der dauerhaft auf einem eigenen Server läuft, über WhatsApp, Telegram, Slack oder Discord bedient wird und über Skills mit der echten Welt verbunden ist, vom Kalender über Smart-Home-Lampen bis zur Überwachungskamera. Bisher brauchte man dafür einen eigenen Server und eine gute Stunde Einrichtung. Hetzner macht daraus einen Klick.
Der Kurztest
Die Instanz war nach kurzer Zeit oben, der Assistent meldet sich munter (“fresh out of the box, no memories yet”) und antwortet flott. Die Oberfläche erinnert stark an die aktuellen Desktop-Apps der großen KI-Anbieter: Chat in der Mitte, Sessions links, unten eine Kontext- und Kostenanzeige. In den Einstellungen lassen sich Kontext-Profile wählen (von Minimal bis Full), die Denktiefe einstellen, das Modell konfigurieren und Messenger anbinden, WhatsApp, Slack, Discord und Telegram stehen bereit.
Foto: jonasleupe / Unsplash
Der Skill-Katalog liest sich wie ein Streifzug durch die Community: Kamera-Streams per ONVIF und RTSP auswerten, Philips-Hue-Lampen steuern, Google-Workspace-Anbindung, PDF-Bearbeitung per Sprachbefehl, E-Mail-Triage-Workflows, Spektrogramme aus Audiodateien, sogar Sonos und Spotify. Genauso ehrlich muss man sagen: Ein erheblicher Teil davon ist in der gehosteten Instanz derzeit gesperrt oder scheitert an fehlenden Voraussetzungen, und der Web-Zugriff des Assistenten funktionierte in meinem Test gar nicht. Das Experiment ist erkennbar in einem sehr frühen Zustand.
Das führte auch gleich zur schönsten Stolperfalle des Tests. Auf die Frage, was die Instanz eigentlich kostet, recherchierte der Assistent mangels Websuche in seiner eigenen Doku, arbeitete sich durch 38 Werkzeug-Aufrufe und erklärte mir dann selbstbewusst, ich hätte einen kostenpflichtigen Cloud-Server gemietet, der mich monatlich Geld koste. Das ist falsch, klingt aber völlig überzeugend. Ein besseres Anschauungsbeispiel dafür, warum man KI-Antworten ohne verlässliche Quellen nicht trauen sollte, kann man sich kaum wünschen.
Die verwirrende Kostenfrage, aufgelöst
Zwei Dinge an dem Angebot stiften systematisch Verwirrung, und beide lohnen eine klare Auflösung.
Erstens der Button. Wer eine Instanz oder einen API-Token erstellt, klickt auf “Create and Buy Now”, ohne dass irgendwo ein Preis stünde. Das ist erkennbar der Standard-Bestellflow der Hetzner-Console, der für die Experimente schlicht nicht angepasst wurde. Rechtlich ist die Sache eindeutig: Eine Zahlungspflicht kommt bei Online-Bestellungen nur zustande, wenn der Preis vor dem Klick klar ausgewiesen ist und der Button die Zahlungspflicht unmissverständlich benennt. Ein “Buy Now” ohne jede Preisangabe bei einem ausdrücklich kostenlosen Experiment begründet keinen Kaufvertrag, und sollte Hetzner das Angebot später in ein Produkt überführen, muss dafür ein neues, bepreistes Angebot her, dem man aktiv zustimmt.
Zweitens die Kostenanzeige in der Oberfläche. OpenClaw zeigt unten im Chat geschätzte Kosten an, in meinem Test standen da nach einer einzigen Recherche-Frage rund 60 Cent. Diese Zahl kommt nicht von Hetzner, sondern aus OpenClaw selbst: Die Software rechnet verbrauchte Tokens mit den API-Listenpreisen des konfigurierten Modells hoch, unabhängig davon, ob real etwas berechnet wird. Und die Token-Zahlen explodieren schnell, weil bei jedem Werkzeug-Aufruf der komplette Kontext erneut als Eingabe zählt, so kommen für ein “Hallo” mit anschließender Doku-Recherche schnell sechsstellige Token-Werte zusammen. Es ist eine Anzeige fürs Gefühl, keine Rechnung.
Ein drittes Kuriosum am Rande: Meine Lobster-Instanz zeigte in der Systemübersicht 12 CPU-Kerne und über 60 GB RAM an. Der Grund ist unspektakulär, der Container liest die Werte des geteilten Wirtssystems aus statt der eigenen Grenzen. Die gebuchten 6 vCPUs und 8 GB sind das, worauf man sich verlassen kann.
Wem das Experiment etwas bringt
Interessant ist das Angebot vor allem für Leute, die OpenClaw immer mal ausprobieren wollten und am eigenen Server oder der Einrichtung gescheitert sind. Genau diese Hürde fällt weg, und kostenlos dazu. Wer wissen will, wie sich ein Always-on-Assistent mit Messenger-Anbindung anfühlt, bekommt hier den einfachsten Einstieg, den es je gab.
Foto: rev3n / Unsplash
Genauso klar ist, was man mit einer Experiment-Instanz nicht tun sollte, nämlich ihr irgendetwas anvertrauen, das wichtig oder vertraulich ist. Hetzner selbst warnt vor Bugs und Datenverlust, und OpenClaw als Projekt hat eine Sicherheitshistorie, die man kennen muss: Anfang 2026 wurden im offiziellen Community-Katalog 341 bösartige Skills entdeckt, dazu kamen im Frühjahr mehrere gravierende Sicherheitslücken. Das Projekt arbeitet sichtbar daran, aber echte Mail-Konten, Kundendaten oder Server-Zugänge haben in so einer Spielwiese nichts verloren. Zum Kennenlernen mit unkritischen Aufgaben, und genau dafür ist ein kostenloses Experiment ja da, spricht dagegen nichts.
Strategisch fügt sich das Ganze in ein Muster, das ich gestern schon beim Inferenz-Angebot beschrieben habe. Hetzner testet gerade an mehreren Stellen gleichzeitig, wie viel Nachfrage nach KI-Infrastruktur aus Deutschland besteht, erst die Modell-API, jetzt der gehostete Assistent obendrauf. Beides zusammen ergäbe perspektivisch einen kompletten Stack auf EU-Infrastruktur, und das wäre dann keine Spielerei mehr.
Wenn du überlegst, was ein dauerhaft laufender Assistent in deinem Betrieb sinnvoll übernehmen könnte, etwa eingehende Anfragen vorsortieren, während niemand im Büro ist, melde dich gerne. Solche Automatisierungen baue ich auch ohne OpenClaw, zugeschnitten auf den konkreten Fall und ohne dass deine Daten in einem Experiment landen.
Häufige Fragen
Was kostet die gehostete OpenClaw-Instanz bei Hetzner?+
Während der Experimentphase nichts, das steht ausdrücklich dabei: free of charge for the duration of the experiment. Der Button heißt zwar Create and Buy Now und die OpenClaw-Oberfläche zeigt geschätzte Kosten in Cent an, beides ist aber irreführend. Der Button ist der Standard-Flow der Hetzner-Console, und die Kostenanzeige ist eine interne Hochrechnung der Software aus Tokens mal Listenpreis, keine Rechnung. Eine spätere Zahlungspflicht kann online ohnehin nur mit klar ausgewiesenem Preis und ausdrücklicher Zustimmung entstehen.
Was ist OpenClaw überhaupt?+
Ein Open-Source-Framework für einen dauerhaft laufenden KI-Assistenten, gestartet Ende 2025 von Peter Steinberger und Anfang 2026 viral gegangen, inzwischen mit über 240.000 GitHub-Stars und einer eigenen Foundation. Der Assistent läuft auf einem Server oder Mac, wird über Messenger wie WhatsApp, Telegram, Slack oder Discord bedient und bekommt Fähigkeiten über einen Community-Katalog aus mehreren tausend Skills, von Kamera-Überwachung über Smart-Home-Steuerung bis zur E-Mail-Triage.
Sollte ich der Instanz echte Zugänge oder Dokumente anvertrauen?+
Nein, aus zwei Gründen. Erstens warnt Hetzner selbst vor Bugs und Datenverlust, das Experiment kann jederzeit enden. Zweitens hat OpenClaw als Projekt eine ernstzunehmende Sicherheitshistorie, Anfang 2026 wurden 341 bösartige Skills im offiziellen Community-Katalog entdeckt, dazu kamen mehrere gravierende Sicherheitslücken. Zum Ausprobieren mit unkritischen Aufgaben ist die Instanz gedacht, für Mail-Konten, Kundendaten oder Server-Zugänge ist sie der falsche Ort.
Warum zeigt meine Instanz mehr CPU und RAM an als gebucht?+
Die Instanz läuft als Container auf einem geteilten Host, und die Systemanzeige in OpenClaw liest die Werte des Wirtssystems aus statt der Container-Grenzen. Wer die Lobster-Größe wählt und dann 12 Kerne und über 60 GB RAM angezeigt bekommt, hat keine größere Maschine bekommen, garantiert sind die gebuchten 6 vCPU und 8 GB, der Rest gehört den Nachbarn auf demselben Host.
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