WordPress ist nicht immer die beste Wahl
Warum das beliebteste CMS der Welt nicht automatisch die beste Lösung für dein Projekt ist - und welche Alternativen sich wirklich lohnen.
WordPress betreibt rund 42 Prozent aller Websites weltweit. Wenn du eine Website brauchst, hörst du fast immer: Nimm WordPress. Es ist kostenlos, es gibt Tausende Themes und Plugins, und jeder Freelancer kann damit umgehen. Das stimmt alles. Und trotzdem ist WordPress nicht für jedes Projekt die richtige Wahl.
In diesem Artikel schaue ich mir ehrlich an, wo WordPress glänzt, wo es schwächer wird - und warum moderne Frameworks wie Astro, Next.js oder SvelteKit für viele Projekte die bessere Lösung sind.
Das Sicherheitsproblem, über das niemand spricht
WordPress selbst - der Core - ist relativ sicher. Das Problem liegt woanders: im Plugin-Ökosystem. 2025 wurden über 11.000 neue Sicherheitslücken in WordPress-Erweiterungen dokumentiert. 91 Prozent davon betrafen Plugins, nicht den Kern. Brute-Force-Angriffe auf WordPress-Installationen sind um 45 Prozent gestiegen.
Das liegt in der Natur des Systems. Eine typische WordPress-Seite nutzt 20 bis 30 Plugins. Jedes einzelne ist ein potenzielles Einfallstor. Plugin-Entwickler sind oft Einzelpersonen oder kleine Teams, die nicht die Ressourcen haben, ihre Software kontinuierlich auf Sicherheitslücken zu prüfen. 46 Prozent der gemeldeten Schwachstellen erhielten keinen Fix zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Bei einer statischen Website mit Astro oder einem modernen Framework existiert dieses Problem schlicht nicht. Kein PHP, keine Datenbank, keine Login-Seite, die angegriffen werden kann. Du lieferst HTML-Dateien aus - fertig.
Performance: Zahlen lügen nicht
Google bewertet die Nutzererfahrung einer Website über die Core Web Vitals. Der wichtigste Wert ist der Largest Contentful Paint (LCP) - wie schnell der Hauptinhalt sichtbar wird. Googles Schwellenwert liegt bei 2,5 Sekunden.
Die Realität: WordPress-Seiten laden typischerweise in 3 bis 5 Sekunden. Eine vergleichbare Astro-Seite schafft das in unter einer Sekunde. In direkten Vergleichstests lag der LCP von Astro bei 0,44 Sekunden gegenüber 0,81 Sekunden bei WordPress - und das bei optimierten WordPress-Installationen.
Warum dieser Unterschied? WordPress generiert jede Seite dynamisch: PHP verarbeitet die Anfrage, fragt die Datenbank ab, baut das HTML zusammen und schickt es an den Browser. Dabei laden Plugins oft zusätzliches JavaScript und CSS, das der Besucher gar nicht braucht. Astro hingegen generiert zur Build-Zeit fertiges HTML und liefert standardmäßig null Kilobyte JavaScript aus.
Das Ergebnis: 60 Prozent aller Astro-Seiten bestehen die Core Web Vitals, bei WordPress sind es nur 38 Prozent. Für dein Google-Ranking und deine Conversion Rate ist das ein gewaltiger Unterschied.
Wann WordPress trotzdem Sinn macht
Fairerweise: WordPress hat seine Daseinsberechtigung. Wenn du eine Website brauchst, die von mehreren Redakteuren ohne technisches Wissen gepflegt wird, ist WordPress nach wie vor eine solide Wahl. Ein Friseursalon, der regelmäßig neue Bilder hochladen will. Ein Verein, der Veranstaltungen pflegt. Ein Blog mit wechselnden Autoren.
In diesen Fällen überwiegt der Vorteil des visuellen Editors und der großen Community die Nachteile bei Performance und Sicherheit. Die Frage ist nur: Wie viele Websites fallen wirklich in diese Kategorie?
Die Alternativen im Überblick
Moderne Web-Frameworks lösen die gleichen Probleme - nur anders:
- Astro - Der Spezialist für Content-Seiten. Generiert statisches HTML, lässt aber bei Bedarf interaktive Komponenten mit React, Svelte oder Vue einbetten. Ideal für Unternehmenswebsites, Portfolios und Blogs.
- Next.js - Das Schweizer Taschenmesser. Server-Side Rendering, statische Generierung, API-Routen - alles aus einer Hand. Perfekt für komplexe Web-Applikationen mit dynamischen Inhalten.
- SvelteKit - Minimaler Overhead, maximale Performance. Svelte kompiliert Komponenten zur Build-Zeit in optimiertes JavaScript. Hervorragend für interaktive Seiten, die trotzdem blitzschnell laden sollen.
Der gemeinsame Nenner: Alle drei Frameworks geben dir volle Kontrolle über das, was im Browser landet. Kein aufgeblähtes Theme, keine Plugin-Konflikte, keine überraschenden Sicherheitslücken. Du baust genau das, was du brauchst.
Developer Experience: Warum Entwickler abwandern
WordPress basiert auf PHP und einer Architektur, die aus dem Jahr 2003 stammt. Das Template-System, die Hook-basierte Logik, die fehlende Typsicherheit - für moderne Entwickler fühlt sich das zunehmend wie ein Relikt an. Nicht umsonst verliert WordPress seit 2025 erstmals Marktanteile.
Moderne Frameworks bieten TypeScript-Unterstützung, komponentenbasierte Architektur, Hot Module Replacement und ein Ökosystem aus professionellen Entwicklungstools. Das bedeutet nicht nur angenehmeres Arbeiten, sondern auch weniger Bugs, schnellere Entwicklung und einfachere Wartung.
Für Unternehmen heißt das konkret: Ein Projekt mit Astro oder SvelteKit braucht weniger Entwicklungszeit für Updates und Wartung. Keine Plugin-Updates, die getestet werden müssen. Keine Kompatibilitätsprobleme nach WordPress-Versionssprüngen. Weniger laufende Kosten.
Die Hosting-Rechnung
WordPress braucht einen Server mit PHP und MySQL. Das kostet je nach Anbieter zwischen 5 und 30 Euro im Monat für ordentliches Hosting. Dazu kommen eventuell Premium-Plugins mit jährlichen Lizenzkosten.
Eine statische Astro-Seite lässt sich bei Vercel, Netlify oder Cloudflare Pages kostenlos hosten - mit globalem CDN, automatischem HTTPS und Deployment per Git-Push. Selbst bei hohem Traffic fallen keine zusätzlichen Kosten an.
Das klingt nach einem kleinen Unterschied, läuft aber über die Jahre zu einer erheblichen Summe auf. Gerade für kleine Unternehmen und Freelancer ist das ein relevanter Faktor.
Die richtige Frage stellen
Die Frage sollte nie lauten: WordPress oder nicht? Sondern: Was brauche ich wirklich? Wenn die Antwort eine schnelle, sichere und wartungsarme Website ist, die in Suchmaschinen gut performt, dann gibt es heute bessere Werkzeuge als WordPress. Wenn die Antwort ein System ist, in dem Nicht-Techniker täglich Inhalte pflegen, dann kann WordPress nach wie vor die richtige Wahl sein.
Der größte Fehler ist, WordPress aus Gewohnheit zu wählen. Weil man es kennt. Weil der letzte Entwickler es benutzt hat. Weil alle es nutzen. Das Web hat sich weiterentwickelt. Die Werkzeuge sollten es auch.
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